Online-Andachten

Zur Zeit der aktuellen Corona-Pandemie finden Sie hier Andachten:

Liebe Gemeinde,

für jeden Sonntag des Jahres gibt es einen Bibeltext für die Predigt. Und es ist Ehrensache, dass wir Pfarrer*innen, Diakon*innen, und Prädikant*innen uns an diesen Worten mühen.

Am Sonntag, 29. März 2020, sind es folgende Worte aus dem Neuen Testament. Dort steht im Buch „Der Brief an die Hebräer“ im 13. Kapitel, in den Versen 12-14:

Hebräer 13,12-14

12. Jesus hat damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Hoffentlich haben Sie in der Schule die spannenden Geschichten von Mose hören dürfen. Er rettete das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft. Er führte sie auf einen langen Weg durch die Wüste, bis sie ins Land Israel kamen. Ins Land „wo Milch und Honig fließt“.

Auf dieser Wanderung gab es Regeln. Man lebte eng zusammen im Zeltlager. Wer jedoch die Regen nicht beachtete, oder wer eine womöglich ansteckende Krankheit hatte, der musste eine Zeit lang außerhalb des Zeltlagers leben, getrennt von den Mitmenschen.

Mehrere Kapitel im 3. Buch Mose (z.B. Kapitel 11-15) widmen sich ausführlich den möglichen Situationen. Die Beschreibungen wirken sehr medizinisch.

Damit sind wir schon mitten in unserer Gegenwart.

Außen vor müssen wir leben. Räumlich getrennt von unseren Mitmenschen.

Kinder treffen nicht mehr ihre Mitschüler und Freude. Alle sollen Abstand halten. Am härtesten trifft es die Vorerkrankten und unsere Alten. Die Großeltern dürfen nicht mehr ihre Enkel umarmen. In Alten- und Pflegeheimen darf niemand mehr besuchen. Die Ansteckungsgefahr ist zu hoch. Eine Erkrankung durch das Corona-Virus ist zu gefährlich.

Als Jesus lebte, fiel er auf, weil er auf die Menschen zuging die „draußen“ leben mussten. Außerhalb der anerkannten Gesellschaft. Jesus ging bewusst zu Kranken, und zu denen, die aus moralischen Gründen ausgeschlossen waren. Er machte das, weil er sie heilen wollte. Er wollte sie wieder in die Gemeinschaft mit Gott und der Gesellschaft bringen.

„Der Menschensohn ist gekommen um suchen und zu retten, was verloren ist.“ Berühmte Beispielsgeschichten dafür sind die vom Zöllner Zachäus (Lukas 19,1-10) oder vom Aussätzigen (Markus 1,40-45).

Selbst seinen Tod am Kreuz sah Jesus als Gottes Einsatz um Versöhnung zu schaffen. Versöhnung wischen Gott und Mensch und zwischen uns Menschen.

Die Kreuzigung geschah außerhalb der Stadtmauer – „Draußen vor dem Tor“.

Der unbekannte Autor des Hebräerbriefes ruft seine Mitchristen dazu auf, dem Beispiel Jesu zu folgen „zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.“

Sich um die Kranken, Verlorenen, Verwirrten, und Schuldig gewordenen zu kümmern war damals wie heute eine nur gering belohnte Aufgabe.

Jetzt in der Not der Pandemie erkennen wir die Bedeutung der „systemrelevanten Berufe“: zum Beispiel Krankenpfleger*innen, Ärzte, Erzieher*innen, oder die Menschen die unsere Versorgung mit Lebensmitteln ermöglichen.

Jetzt gibt es – zu Recht – Applaus für sie. Doch dem Applaus sollten auch Taten folgen: bessere Gehälter und gesündere Arbeitsbedingungen.

Wie Jesus und zu Jesus „vor das Lager hinausgehen“ – das geschieht derzeit von so vielen Mitmenschen: die zum Beispiel einkaufen gehen für Ältere und Erkrankte. Ich denke auch an die, die sich in der Bundeswehr um italienische und französische Intensivpatienten kümmern, oder die als Bürger bereit sind, die mutigen Grundentscheidung der Gesellschaft mit zu tragen: das in den reichen Jahren Gewonnene einzusetzen um die ganze Gesellschaft in der Krise mitzunehmen.

Auf diesem Einsatz in der Not liegt ein Segen. Denn da sind wir wie Jesus und mit Jesus auf dem Weg zu den Menschen „draußen vor dem Tor“.

Darauf liegt der Segen Gottes.

Und dann wird noch eine Ermutigung genannt: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Für die Menschen der Religionen klingt hier die Zuversicht an auf ein Leben auch über den Tod hinaus. Wir sind sterblich. Die Treue Gottes ist jedoch größer als unsere Zerbrechlichkeit und Fehlerhaftigkeit.

Noch eine weitere Weisheit sehe ich in diesem Wort: unsere Art zu leben ändert sich; wir werden auch nach der Corona-Krise eine andere Gesellschaft sein und uns weiter ändern. Unsere zukünftige Stadt wird hoffentlich nicht in sich abgeschlossen und selbstzufrieden sein, sondern den Mitmenschen „draußen“ sehen. Sie möge auch künftig weiterhin wissen und immer neu anwenden: wir alle brauchen einander.

Gott segne und behüte Sie alle und helfe Ihnen in dieser Zeit.

 

Peter Meyer

Pfarrer in St. Markus Coburg

Peter.meyer@elkb.de

 


 

Gebet

(aus der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschland)

Grenzenlos die Liebe.

Bedrückend die Angst.

Gott - Quelle der Liebe.

Verteidigung in der Angst.

Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe

für die Infizierten,

die Kranken, die Sterbenden.

Wir denken an die Betroffenen in Italien, in Spanien, bei uns, in aller Welt.

 

Quelle der Liebe.

Verteidigung in der Angst.

Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe, Gott,

für die, die kein schützendes Obdach haben,

für die, die zwischen den Grenzzäunen gefangen sind, für die, die zwischen den Trümmern ausharren, für die Menschen in Syrien.

 

Quelle der Liebe.

Verteidigung in der Angst.

Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe, Gott

für alle, die pflegen,

für alle, die sich in Gefahr begeben,

für alle, die forschen und sich nicht schonen.

 

Quelle der Liebe.

Verteidigung der Angst.

Du bist da.

Bleib bei uns und deiner Gemeinde - 

heute und an jedem neuen Tag. Amen.